Wahrheitstheorie Teil 2 - Kant - von Raum, Zeit, Kausalität und Sinnesreizen

    Rianathria

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    In diesem Blog Beitrag schreibe ich etwas über die von Kant entwickelte Wahrheitstheorie bzw. das was er "bemängelt". Wer Teil 1 dieser Blog Serie nicht gelesen hat, kann das hier tun.

    Auch diese Wahrheitstheorie habe ich von meinem Religionslehrer auf meinen Weg mitbekommen. Diese Theorie hat nichts mit der von Platon gemein, zumindest nichts sinnvolles oder wichtiges. Sie ermöglicht also eine komplett andere Sicht auf die Dinge, wenn man es denn zulässt.

    Ein kleiner Einwurf ist an dieser Stelle noch wichtig: Kants Theorie wurde mir unter dem Begrif "Erkenntnistheorie" beigebracht. Das macht an dieser STelle auch mehr Sinn. Die Frage ändert sich also von "Was ist wahr?" zu "Was kann ich erkennen?". Wer nicht ganz blind ist, sieht bereits hier schon, dass das eine mit dem anderen einhergeht und voneinander abhängt.

     

    Kants Erkenntnistheorie

    1) Empirismus

    Die einen behaupten, dass wir nur dann erkennen, wenn wir Dinge real mit unseren Sinnen wahrnehmen und daraus hinterher Kraft unserer Gedanken einen allgemeineren Begriff bilden. Diese allgemeinen Begriffe sind aber nur abgeleitete und haben an sich keine Realität. Die reale Sinneserfahrung stellt also die einzige Basis der Erkenntnis dar. Nur die Erfahrung kann Wirklichkeit beanspruchen.

    Der Erkenntnisweg geht vom Vielfältigen zum Allgemeinen.

     

    2) Rationalismus

    Die anderen behaupten, dass es allein die Verstandeskraft ist, die es dem Menschen ermöglicht, die Welt um sich herum angemessen zu erkennen. Mit dem Verstand erkennt der Mensch die Realität der Welt, die gewissermaßen hinter den Erscheinungen steht und eine höhere Existenz hat, als die je nur unvollständigen existierenden Gegenstände. Die Wirklichkeit der Welt ist mit dem Verstand zu erfassen, nicht mit den Sinnen.

     

    Was du gerade gelesen hast, sind zwei Seiten der Erkenntis, die es meiner Meinung nach auch heute noch so gibt. Zwei Seiten, die gegeneinder spielen, fast ie in einem endlosen Krieg der Erkenntnis. Kant hingegen hat beide Theorien miteinander verwoben. Er nahm also das, was gegeneinander geht und nutzte es miteinander.

    So hat Kants Theorie nun zwei Seiten, die sich gegenseitig benötigen. Wie im Dualismus: Ohne die eine Seite kann die andere Seite nicht sein.

    Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.

    Wenn du das jetzt nicht verstehst was Kant das sagt, dann ist das nicht schlimm. Ich werde das im Folgenden nun konkreter ausformulieren:

     

    Gedanken ohne Inhalt sind leer, ... (gegen den reinen Rationalismus)

    Kurz gesagt, bedeutet dies, dass du nichts Denken kannst, wenn es nichts gibt worüber du nachdenken könntest. Also kann das Denken gar nicht sein, wenn es kein Material gäbe bzw. keine sinnliche Wahrnehmung. Das kannst du ganz leicht selber herausfinden, dass das stimmt. Denk bewusst über irgendwas nach, es ist dabei ganz egal welchen Gedanken du dabei hast. Erfasse den Gedanken und denke dann darüber nach:

    • Von was handelt der Gedanke?
    • Ist der Gedanke ein Gegenstand oder handelt davon?
    • Ist der Gedanke ein Gefühl oder handelt davon?
    • Ist der Gedanke etwas, was ich gesehen, gehört, geschmeckt, gerochen und/oder gefühlt habe?
    • Ist der Gedanke ein Gedanke über einen anderen Gedanken? Wovon handelt dann der Gedanke von den mein Gedanke handelt? (nochmal beim ersten Punkt starten)

    Wenn du bei mindestens einem Punkt "Ja" gesagt hast, dann hat sich Kants Theorie bewahrheitet.

     

    ... Anschauungen ohne Begriffe sind blind. (gegen den reinen Empirismus)

    Das sagt eigentlich nur, dass du nichts großartig wahrnehmen kannst, wenn du nicht in der Lage wärst es zu benennen, also die Beriffe nicht zur Verfügung stehen würden. Du könntest dann nichts einordnen, einteilen, zuordnen, bennen, erklären, etc. Alles was du wahrnehmen würdest, wäre einfach da. Auch hier habe ich ein schönes Beispiel für dich, woran du sehen wirst, dass Kant auch damit Rcht hat:

    1. Schaue dir irgendeinen Gegenstand an oder nimm dir einen Gegenstand zur Hand
    2. Beobachte den Gegenstand
    3. Beschreibe ihn
    4. Ordne ihn in ein Gruppe ein (Schere -> Werkzeug, Stift -> Malzeug, Auto -> Fahrzeug, Löffel -> Besteck, etc.)
    5. Mach das alles nocheinmal und frage dich, was du jetzt tun würdest, wenn du für Punkt 1 bis 4 nicht in der Lage wärst, weil du keine Begriffe kennst, weil du keine Srache kennst, weil du kein Raster hast um etwas einzuordnen zu beschreiben oder zu benennen. Wie also willst du dann erkennen, dass du einen Stift in der Hand hälst, mit dem du malen/schreiben kannst kannst, wenn dir all diese Begriffe und deren Bedeutung unbekannt sind?

     

    Kants Theorie hat es in sich. Sie kann auf den ersten Blick auch sehr kompliziert wirken, denn das war noch lange nicht das Ende. Wenn du aber Skeptiker sein solltest und oben irgendwo sagst, dass du durch deine Erfahrungen dir diese ganzen Begriffe selber hättest aneignen können, dann kann ich an dieser Stelle nur sagen: "nein". Wenn es keine Begriffe gäbe, kein Raster an dem du dich festhalten kannst, wie willst du dann Erfahrung sammeln? Du könntest nicht zwischen irgendwelchen Dingen unterscheiden. Besser gesagt: Du könntest alles was du wahrnimmst nich verarbeiten. Genauso könntest du dann gar nicht erst denken, weil es ja nichts gibt worüber du nachdenken könntest, also wie willst du etwas erfahren, wenn du laut Beschreibung eigentlich tot bist? Erfahrung beruht auf Empirismus und Rationalismus und... auf Kausalität. Und was Kant mit Kausalität meint, wirst du nun unter anderem beim Weiterlesen erfahren.

     

    Von Raum, Zeit, Kausalität und "Dingen an sich"

    Wovon werden die Sinne eigentlich angeregt? Kant sagt, dass sie von den "Dingen an sich" angeregt werden. Diese Anregung wird von den Sinnen als Empfindung erfasst und weitergegeben.

    Dann wäre da noch der Verstand. Er verarbeitet die Empfindungen weiter zu Anschauungen. Was ist jetzt der Unterschied zwischen Empfindungen und Anschauungen? Der Unterschied ist, dass der Verstand eine Empfindung erst erfassen muss, damit es eine Anschauung ist, dabei ergreift der Verstand Empfindungen nur in den zwei grundlegenden Kategorien Raum und Zeit.

    Es gibt für uns außerhalb dieser beiden Kategorien keinen Vorstellungen. Überpüfbar ist das daran, dass Anschauungen nicht mehr möglich sind, wenn man sich die räumliche oder zeitliche Ausdehnung wegdenkt. Konkret also: Was ist ein Haus ohne den Raum als Basis der Existenz? Ist das Haus dann noch räumlich wie in 3D oder wird es dann 2D oder sogar 1D? Oder ist es dann 4D, 5D oder noch höher? Kann man dann noch überhaupt in das Haus hineingehen? Gibt es dann überhaupt noch ein "Drinnen" und ein "Draußen"? Und was ist dann "oben" und was ist "unten"? Was ist mit "links" und "rechts"? ... Schauen wir uns das Haus jetzt einmal anders an. Eben gab es den Raum nicht mehr, dann gibt es jetzt halt die Zeit nicht mehr. Was ist ein Haus ohne die Zeit als Basis der Existenz? Gestern war ich in meinem Haus und heute... was ist "heute" überhaupt? Wann ist "heute" und wann "gestern"? Ist das Haus denn überhaupt noch da? Woher weiß ich denn, ob es nicht schon zu alt war und eingestürtzt ist? Was ist eigentlich "alt"? Wann war mein Haus denn? Oder wird es erst noch sein? Oder wird es gewesen sein? Wird es gewesen war sein.... An dieser Stelle stellen wir uns einfach vor, dass unser Testdenker ohnmächtig geworden ist... oder... vielleicht ist er gar nicht mehr auf Grund der fehlenden Zeit... wer weiß das schon...

    Wir können weiterhin aber gar nicht entscheiden ob Raum oder Zeit an den Dingen an sich tatsächlich existiert oder es eben doch nur eine Illusion ist und mit den Dingen an sich vielleicht doch nichts zu tun hat. Die Wahrnehmung setzt Raum und Zeit unbedingt voraus. Raum und Zeit wird den Empfindungen zugefügt, so vermutet Kant, weshalb dadurch Anschauungen entstehen.

    Es wird also unterschieden zwischen den Dingen an sich und den Erscheinungen der Dinge, wie sie für uns sind. Erkenntnis ist also auch immer vom Erkennenden selber abhängig.

    Da wir das jetzt mit Raum und Zeit geklärt haben und froh sind, dass wir noch leben und nicht in irgendeiner Raumzeitanomalie unser restliches Leben lang vor uns hinvegetieren müssen, schlage ich vor, dass wir uns nun gemeinsam mit der Kausalität beschäftigen.

    Kant knüpft hier an den Vesrtand an, der die Kausalität hinzufügt. Der Vesrtand verknüpft dabei zwei aufeinanderfolgende sinnlich wahrnehmbare Phänomene. Wir denken die Kausalität also in die Natur hinein, wie sie uns erscheint.

    Sowohl die äußere Erkenntnis als auch der Verstand haben Grenzen. Der Verstand hat seine Grenze da, wo er auf empirische Empfindungen angewiesen ist. Die Erkenntnis aber ist ohne den Verstand nicht möglich. Sinne und Verstand begrenzen und helfen sich gegenseitig in ihrer jeweiligen Erkenntnis.

     

    Die wichtigste Frage, die sich damit eigentlich stellt, ist doch: "Was kann ich wissen?"

     

     

    Das war es nun mit der Theorie von Kant. Dir mag aufgefallen sein, dass sie viel komplexer ist, als die Theorie von Platon. Ich finde allerdings, das man beide Theorien auf eine gewisse Art und Weise gut miteinander verknüpfen kann. Vielleicht helfen sie dir auch beim Erkennen und auf der Suche nach deiner Wahrheit.