Wahrheitstheorie Teil 1 - Platon, "der platonische Löffel"

    Rianathria

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    Wozu brauchen wir Wahrheitstheorien?

    Meinen Erfahrungen nach können Wahrheitstheorien Brücken im Denken schaffen oder sogar veranlassen, dass man sein Denken umstellt - ich hoffe an dieser Stelle, dass dies immer in eine positive Entwicklung führt.

    In meiner Schulzeit hatte ich einen Lehrer im Fach Religion. Dieser Lehrer hat mit uns Wahrheitstheorien durchgenommen und auch Ethik. So bin ich zum ersten mal damit konfrontiert worden.

    Nun zum Thema. Um zu verstehen was Platon mit seiner Theorie ausdrücken will, hat uns unser Lehrer ein Beispiel gezeigt, "den patonischen Löffel". Damit es nicht gleich zu Fragezeichen über deinem Kopf kommt oder gar das Rechenzentrum bei dir komplett durchbrennt, beginne ich mit dem erwähnten Beispiel.

     

    Der latonische Löffel

    Nehme dir am besten einen Gegestand in die Hand. Ein Löffel wäre natürlich perfekt, ansonsten ersetzt du "Löffel" im Beispiel mit deinem Gegenstand. Wie wahr ist dieser Löffel? Gibt es eine Version mit mehr Wahrheit? Die Antwort ist: Ja. Wie kommt man zu der Antwort? Überlege dir einmal wie der Löffel hergestellt wurde? Höchstwahrscheinlich von einer Maschine bzw. in einer Fabrik. Aber wie stellt man die Maschinen ein? Woher "weiß" die Maschine welche Koordinaten sie abfahren muss, damit ein Löffel gefräst wird? Kurz: Diese Informationen stehen in irgendeiner Datei. Stellen wir uns das einmal als ein virtuelles 3D-Objekt vor. Den Löffel, den du jetzt in deinen Händen hälst, der hat evtl. Kratzer, die Oberfläche hat eine Struktur. Das virtuelle Objekt des Löffels ist perfekter. Die Oberfläche ist glatt, Kratzer hat der virtuelle Löffel auch nicht. Also ist doch das virtuelle Objekt wahrhaftiger als der Löffel, den du in der Hand hälst, denn der virtuelle Löffel entspricht doch viel mehr der Idee des spezifischen Löffels, von dem du einen in der Hand hälst. Dein Löffel ist also nur eine realistische Version von dem Löffel in der Datei. Andersherum ist die Idee, die der Mensch hatte, als er die Datei geschaffen hatte, viel wahrhaftiger als die Datei selber. In der Datei ist der Löffel z.B. Kriterien wie Maßen unterworfen. In deinen Gedanken gibt es keine Maße. Deine Gedanken sind frei. Die Idee des spezifischen Löffels entstammt allerdings der Idee des Löffels an sich. Also ein Ding mit Laffe und Stiel. Das ist die ursprüngliche Idee des Löffels. Aber woher kommen denn Ideen? Laut Platon gibt es die Idee des Guten, also die Uridee, die Idee an sich. Also laut Platon ist dein Löffel in der Hand eine mögliche Version. Jeder andere Löffel, der mit der selben Datei produziert wurde, ist anders. Jede Datei, die auf der Idee deines Löffels basiert, würde anders sein. Jede Idee eines spezifischen Löffels sieht anders aus. Jede Idee von überhaupt irgendetwas sieht anders aus als die Idee des Guten.

     

    Genau das sagt Platon. Laut ihm entspringt alles der Idee des Guten. Das ist die höchste Ebene, höher geht es nicht. Es ist also die göttliche Quelle. Man kann sagen, dass es Gott ist. Gut, nun glaubt nicht jeder an Gott, an einen Gott oder an den einen Gott. Also ist "Gott" auch nur eine Idee? Denk da ruhig einmal drüber nach.

     

    Zusammenfassend kann man sagen, dass etwas umso wahrer wird, wenn man es transzendierter betrachtet und von allem löst (gedanklich), was es einschränkt bzw. konkret macht. Wenn man denn Platon glauben mag.